Kombinierte Einzel- und Plenumsarbeit (KEP)

im

             Schulunterricht und Studium             

 

Vom Frontalunterricht zur Schülerbeteiligung


KEP- eine handlungsorientierte Arbeitsmethode für den Unterricht und für das Studium.

K = Kombinierte

 E = Einzel- und

 P = Plenumsarbeit

 KEP ist in der Unterrichtsarbeit mit Schülern und Schülerinnen (SuS) im Fach Erziehungswissenschaft der gymnasialen Oberstufe entstanden. Zur Ausgangslage gehörte es, dass die meisten SuS in den anderen Fächern mehreren Kleingruppen waren und dort nur sehr langsam im Stoff voran kamen. Gleichzeitig besteht in Zeiten des zentraler Prüfungen die Notwendigkeit die vorgegebenen Themen relativ schnell und gründlich zu bearbeiten.

 Das Zentrale und Besondere dieser Arbeitsform ist nicht die organisatorische Struktur, sondern die Tatsache, dass Schüler und Studierende maßgebliche Verantwortung für das Gelingen einer Lehrveranstaltung übernehmen.

KEP ist artverwandt mit der Lernmethode bzw. Lehrmethode "Lernen durch Lehren",enthält aber einige Besonderheiten und wurde unabhängig davon entwickelt.

KEP gliedert sich, wie der Name schon sagt, in eine Einzelarbeits- und in eine Plenumsarbeitsphase auf. Beide Phasen werden maßgeblich durch das Engagement der Schüler getragen.

Einzelarbeitsphase meint die 
• selbstständige Bearbeitung des speziell vorbereiteten und verständlich formulierten Lehrmaterials in Form von Einzelarbeit;

 • im Text nicht erklärten Begriffe in Lexika nachzuschlagen;

 • schriftliche Beantwortung der Wiederholungsaufgaben

 • Führung eines Glossars (=Vokabelhefts, gesonderte Auflistung aller neuen Begriffe samt dazugehöriger Definitionen durch jeden Schüler)

 - Vorbereitung auf die Plenumsphase.

 Die E-Phase findet im Unterricht und zuhause statt. Während dessen wird der Klassenraum zur "Universitätsbibliothek" erklärt. Das heißt, dass ein absolutes Redeverbot herrscht. Es wird aber die Benutzung von Mp3-Playern erlaubt, solange es so leise geschieht, das keiner gestört wird.

Sollten Schüler untereinander oder mit dem Lehrer etwas zu klären haben, so verlassen die Kommunikationspartner den Klassenraum, damit alle anderen ungestört weiterarbeiten können. Die Schüler haben eine größtmögliche Freiheit die Umgebung selbst zu gestalten. Die Dauer der E-Phase muss mit jeder Klasse spezifisch und demokratisch ausgehandelt werden.

Plenumsarbeitsphase meint , dass 

• gemeinsam alle übrig gebliebenen Verständnisfragen geklärt werden;

• alle vorher beim Koordinator (= Schüler) angemeldeten Beiträge werden von einzelnen Schülern referiert und anschließend von der ganzen Gruppe (= Plenum) diskutiert.  Der Koordinator bzw. die Koordinatorin leitet die Diskussion. Die Schülerbeiträge können den "Wiederholungsaufgaben zur Selbstüberprüfung" entsprechen, aber auch eigene weitergehende Vertiefungen und Differenzierungen des Themas beinhalten.

• die Schülerbeiträge immer besser werden und sogar didaktische Elemente   

- wie Rollenspiele,

- Unterrichtsgespräche,

- von Schülern vorgegebene Kleingruppenarbeiten,

- von Schülern erstellte Lückentexte

- Blitzlichter

- Erlebnisberichte

- Fallbeispiele

- Überzeugungsspiele

- Pro- und Kontradebatten - usw. beinhalten

- Schüler im gewissen Sinne zu Lehrern werden.

      Schüler unterrichten Schüler 

Quelle: http://www.rs-neumagen.de/Homepage/i/thumbs/teamwork2.jpg

Verpönt ist Vorlesen! Angestrebt ist der freie Vortrag plus interaktiver Lehrmethode, so dass andere Schüler mit einbezogen werden.

Schüler sind Koordinatoren

Das Besondere der P-Phase ist die Koordinations- und Lehrtätigkeit durch Schüler bzw. Studierende. Der Lehrer bzw. die Lehrerin sitzt während der P-Phase nicht am Lehrerpult, sondern zwischen den Schülern, die am besten im Kreis oder im Rechteck sitzen. Der jeweilige Schüler-Koordinator (jeder kommt mal dran) übernimmt die bisherige Moderatoren-Rolle des Lehrers. Während des Geschehens macht der Lehrer bzw. die Lehrerin sich Notizen bezüglich der Beteiligung, da er weiterhin die Pflicht hat eine SoMi-Note (Note für die sonstige Mitarbeit) festzulegen.

Aufgaben der Koordinatoren

Die Koordinatoren sammeln bzw. erhalten von ihren Mitschülern die Anmeldungen bezüglich der Präsentation von Arbeitsaufgaben. Jeder Koordinator bzw. jede Koordinatorin führt eine eigene Liste. Sollte der jeweils andere Koordinator krank sein kann die Plenumsphase trotzdem stattfinden.                                                       

Des Weiteren sollte jeder Koordinator einen eigenen Beitrag vorstellen. Oft präsentieren Koordinatoren eine X-Aufgabe.

X-Aufgabe

Der von Schülern geprägte Begriff "X-Aufgabe" meint eigene inhaltliche Vertiefungen und Ergänzungen, die aber mit dem Gesamtthema in ZusammenhangstehenBeispiel: Die Schüler bearbeiten das Thema "Sigmund Freud und seine Psychoanalyse".

Im Internet gibt Lukas bei Google Bilder

http://www.google.de/advanced_image_search?hl=de

die Stichwortkombination "Freud Instanzenmodell" ein. Es erscheinen sofort mehrere Schaubilder, von denen Lukas eines auswählt, ausdruckt, auf eine Folie kopiert und in der Plenumsphase den Mitschülern vorstellt. Damit der Beitrag interaktiv ist, hat er einen Lückentext vorbereitet, der seinen Vortrag zusammenfasst. Dadurch, dass er den Lückentext am Overheadprojektor mit seinen Mitschülern gemeinsam ausfüllt, werden die Mitschüler miteinbezogen.

KEP-Lernjournal - Kompetenzraster zur Selbstreflexion

Die Schüler führen ein Kompetenzraster ähnlich wie ein Sparbuch. Alle eingereichten Hausaufgaben und Beiträge in der Plenumsphase werden dokumentiert und vom Lehrer mittels Paraphe bestätigt. Dieses ausgefüllte Kompetenzraster dient dann als Grundlage bei der Notenbesprechung bezüglich der sonstigen Mitarbeit (=SoMi-Note). Je mehr Einträge "angespart" wurden, desto besser die SoMi-Note.

                             

   

(C) Werner Jung

Ein Beispiel für ein derartiges Kompetenzraster und die Möglichkeit eins kostenlos zu bestellen finden Sie hier: 

Kompetenzraster anschauen und bestellen  

Benotung

Die aktive Arbeit im Unterricht wird benotet. Dabei ist die Quantität und Qualität, der von den SuS vorgelegten Arbeitsaufgaben und den Beiträgen in der Plenumsphase entscheidend. Das Schuljahr wird wird in vier Quartalen unterteilt. Jedes Quartal wird ein Einzel-Notengespräch auf Grundlage des obendargestellten Kompetenzrasters durchgeführt. Die Quartale sind unterschiedlich lang:

1. Quartal: Von den Sommerferien bis zu den Herbstferien

2. Quartal: Von den Herbstferien bis ca. zwei bis drei Wochen nach den Weihnachtsferien;

3. Quartal: Bis zu den Osterferien

4. Quartal: Nach den Osterferien bis ca. zwei Wochen vor den Sommerferien. (Bei den Oberstufen endet das vierte Quartal früher).

Quantität: Je mehr bearbeitete Haus- bzw. Arbeitsaufgaben vorgelegt werden, desto besser die Benotung.

Je mehr Beiträge in der Plenumsphase, desto besser die Benotung!

Qualität: Je mehr die Haus- bzw. Arbeitsaufgaben den vorgegebenen Leitprinzipien zur Bearbeitung der KEP-Aufgaben (hier anklicken) entsprechen, desto besser die Benotung.

Je mehr die Beiträge in der Plenumsphase den Kriterien des Fedbackbogens und des Kompetenzrasters entsprechen (hier anklicken), desto besser die Benotung.

Darüberhinaus wird die Benotung beeinflusst durch die Anzahl der Schüler, die Länge eines Quartals, die Frage, ob ein KEP-Anfänger oder ein KEP-Könner benotet wird.

So kann es sein, dass fünf Einträge im zweiten Quartal für eine DREI reichen, aber im nächsten Quartal die selben Einträge nur eine VIER ermöglichen.

Grundsätzlich sind Noten von sehr gut (EINS+) bis ungenügend (SECHS) möglich!

Trotz dieser Unterschiede können zur Notenorientierung die folgenden Aussagen gemacht werden:

- ein leeres -zum Notengespräch vorgelegtes - Kompetenzraster dokumentiert eine ungenügende So-Mi Leistung,

- ein Kompetenzraster mit nur einem oder zwei Einträge dokumentiert bestenfalls eine mangelhafte (5- bis 5+) Leistung;

- ein Kompetenzraster, in dem ausschließlich Einträge in der Rubrik "Auflistung aller eingereichten Hausaufgaben" oder ausschließlich Einträge in der Rubrik "Auflistung aller Beiträge in der Plenumsphase" enthalten sind, dokumentiert bestenfalls eine befriedigende Leistung.

Anders formuliert: Eine EINS oder eine ZWEI gibt es nur, wenn in beiden Rubriken möglichst viele, qaualitativ wertvolle Einträge zu finden sind.

Im Rahmen dieser Grundaussagen sollen die Schüler zu Beginn des Notengesprächs sich selber in Form einer Note einschätzen.

Anforderungen an das vorbereitete Lehrmaterial

KEP kann nur funktionieren, wenn das Lehr- bzw. Lernmaterial zum Selbststudium geeignet ist.

Das KEP-Material muss

• weitestgehend selbsterklärend sein, so dass jeder Schüler, unabhängig vom sozialen Hintergrund, den Text verstehen bzw. den Inhalt selber erarbeiten können muss;

• alle fachlich notwendigen Begriffe und Fremdwörter, entweder innerhalb des Textes oder in speziell eingefügten Fußnoten definieren [1];

• Wiederholungs- und Reproduktionsaufgaben zur Selbstüberprüfung plus entsprechender Lösungsvorschläge enthalten;

• verpflichtende, klausurähnliche Anwendungsaufgaben enthalten.

Die Bearbeitung dieser Aufgaben wird während der Einzelarbeitsphase  dem Lehrer vorgelegt, von diesem korrigiert, kommentiert und als Feed-Back zur Vorbereitung auf die Klausuren an den Schüler zurückgegeben.

Die folgende Auflistung von Materialien zeigt beispielhaft Literatur, die sehr gut geeignet ist, um als Basis für die Kombinierte Einzel und Plenumsarbeit (KEP) zu dienen.

(1) Selbstlernmaterial und Fernkurse für Erziehungswissenschaft, Pädagogik, Psychologie usw.
Educata-direktverlag
http:www.educata-direkt.de    

(2) Fernkurse u.a. für Mathematik, Englisch Deutsch usw.
Institut für Lernsysteme
http://www.ils.de  

(3) Fernkurse u.a. für Mathematik, Englisch Deutsch usw.
Studiengemeinschaft Darmstadt
http://www.sgd.de  

Bücher:
Englisch
English Grammar in Use, New edition, With Answers [Taschenbuch]
Autor: Raymond Murphy, Taschenbuch, Verlag: Klett (1. Januar 2003)
ISBN-10: 312533683X , ISBN-13: 978-3125336834


Essential Grammar in Use with Answers: A Self-study Reference and Practice Book for Elementary Students of English [Taschenbuch]
Autor: Raymond Murphy, Taschenbuch: 326 Seiten, Verlag: Cambridge University Pr.; Auflage: 3 Ans (25. Januar 2007), ISBN-10: 0521675804 ,

ISBN-13: 978-0521675802

Mathematik
http://www.starkverlag.de/reihen/bundesland.asp?reihe=87&fach=M  


Obwohl Schüler durch KEP immer selbstständiger werden, ist der Lehrer nicht arbeitslos.

Aufgaben des Lehrers bzw. der Lehrerin:

 • Korrektur und Benotung der Schülerhausaufgaben während der Einzelarbeitsphase,

• Erstellung des Selbstlernmaterials für die Schüler. Dies bedeutet die komplette Neuerstellung von Arbeitsmaterial, da es nur selten Material gibt, das zum Selbststudium geeignet ist;

• Qualitätskontrolle und Qualitätsmanagement während der Einzel- und Plenumsphasen,

• Jederzeit ansprechbar sein für Verständnisfragen (während der Einzelarbeitsphase) außerhalb des Klassenraums.

• Je nach Selbstständigkeit der Schüler und Schülerinnen sind einzelne Lehrer-Inputs wie kurze Einführungsreferate und dgl. denkbar.

                                                         

• Während der Plenumsphase macht der Lehrer sich Notizen bezüglich der Beteiligung, da er weiterhin die Pflicht hat eine Note für die sonstige Mitarbeit (=SoMi) festzulegen.

Ziel von KEP

Durch Einhaltung der Phasenregeln und der Schülertätigkeit, werden Schüler - einzeln und in der Gruppe –zunehmend selbstständig arbeiten.

Der Lehrer steht weniger im Mittelpunkt und wird unwichtiger!

Der alte aber gültige Spruch: „Ladys first“ heißt bei KEP:                                                   

 „Pupils first“

Alles was Schüler machen können, sollen sie machen!

Der Lehrer bzw. die Lehrerin steht beratend und unterstützend im Hintergrund! Lehrer bzw. Lehrerinnen gesucht!

Bislang wurde KEP erfolgreich bei Schülern und Schülerinnen in gymnasialen Oberstufen und einer Höheren Beachoberschule zur Erlangung der Fachhochschulreife und der Allgemeinen Hochschulreife im Fach Erziehungswissenschaften eingesetzt.

Wer hat Interesse das Konzept auch in anderen Schulformen und Bildungsgängen umzusetzen? Um die zeitraubende Arbeit für das Erstellen des KEP-Materials aufzuteilen, sollten sich Lehrer und Lehrerinnen mit gleichen Fächern zusammenfinden.

Sollten Sie Interesse haben, sei es um KEP-Schulungen durchzuführen oder um fächerspezifische Regionalgruppen zu gründen, dann melden Sie sich bitte per

Email: hier anklicken